IBM PS1 Festplatte hat einen Knacks - Datenrettung möglich?

  • Hallo zusammen,


    der PS1 meines Vaters funktioniert leider nicht mehr richtig. Da er seine Firmenkorrespondenz immer noch mit dem Gerät macht (siehe Wordstar Thread) wollen wir das gute Stück wieder in Fahrt bringen.


    Was ist passiert: Der Chip, der die Uhrzeit festlegt, hat eine Batterie. Diese ist irgendwann mal leer und der Chip muss ausgetauscht werden. Dies hat mein Vater schon mehrfach gemacht (er hat wegen des Chips schon Kontakte in die USA und zu einem Computermuseum in Finnland, cool eigentlich) und er hat immer 1-2 dieser Chips daheim.


    [IMG:http://i68.tinypic.com/2j11zww.jpg]


    [IMG:http://i65.tinypic.com/2rnimqe.jpg]


    Vor kurzem war es wieder soweit und er musste den Chip tauschen. Irgendwie hat die Festplatte bei der Operation einen Knack wegbekommen. Nach dem Tausch des Chips ging leider nicht mehr viel. Es fehlen Dateien, die für ein korrektes Arbeiten notwendig sind. Um nun den Rechner wieder aufzubauen, wollen wir seine Daten noch besuchen von der Platte zu retten. Es handelt sich um Textbausteine für Wordstar, die er für seine Korrespondenz benötigt.


    Die Daten sind auch noch da, WS startet sogar, aber bricht dann irgendwann ab. Es fehlen auch Systemdateien (z.B. Edit.exe). Disketten werden auch nicht mehr akzeptiert, wir können also nicht einfach so die Daten runterkopieren.


    Die Platte hat er zu zweit Firmen gebracht, die sich die Platte angeschaut haben. Eine Firma hatte laut eigener Aussage nicht die richtigen Adapter, um sich die Platte anzuschauen. Die haben die Platte versiegelt. Die zweite Firma hat laut eigener Aussage die Platte geöffnet und einen Totalschaden attestiert. Das Siegel von Firma 1 war aber nicht gebrochen :grübel:


    Dies ist ist Platte:


    [IMG:http://i67.tinypic.com/33b333m.jpg]


    [IMG:http://i66.tinypic.com/zx8qw4.jpg]


    Sorry fuer die recht ungenaue Beschreibung, ich bin leider kein Techniker :)


    Tja, wie bekommen wir nun die Daten von der Platte? Oder wie finden wir heraus was das Problem ist?


    Wir sind für jeden Hinweis dankbar!


    VG Felix

  • Möglicherweise wäre es gut, den Rechner erstmal solange nicht mehr einzuschalten, bis man den Festplatteninhalt gesichert hat. Da das anscheinend durchaus eine normale IDE Festplatte zu sein scheint, sollte das eigentlich an jedem LinuxRechner mit dem "dd" Tool machbar sein. Das ist aber ein gefährliches Kommando, da man damit auch mal flott die gesamte Platte gelöscht bekommt, wenn man was falsches eintippt; daher vorher unbedingt gut die Anleitung lese und 3x kontrollieren, was man tippt.


    Das DiskImage sollte man dann sichern und ein Kopie davon benutzen, um die interessanten Daten wiederzufinden. Dafür könnte man wahrscheinlich mit diesem Programm
    https://barotto.github.io/IBMulator/
    ganz gut weiterkommen. Ich kenne das aber nicht, aber es sieht aus, als wäre es brauchbar.

  • @ fritzeflink: Danke für den Hinweis, gebe ich weiter


    @ Thoralf: Das klingt ja schonmal nach einem Anfang. Leider werde ich das so nicht hinbekommen, das traue ich mir nicht zu. Aber ich lese mit mal ein


    Wenn uns bei der Geschichte jemand unterstützen könnte wäre das toll. Natürlich nicht umsonst, und wir sind auch bereit lange Strecken zu fahren dafür. Irgendwie hängen auch einige Emotionen an dem Gerät, wäre schade wenn wir ihn beerdigen müssten :(



    VG Felix

  • Ich muss Euch enttäuschen, die WDL-330P ist keine IDE Platte, auch wenn es wegen des Anschlusses erstmal so aussieht.
    Es handelt sich stattdessen um eine DBA (direct bus attachment) ESDI Platte, so wie sie auch in wenigen, anderen PS/2 Modellen zu finden ist (z.B. in meinem PS/2 P70 ! Kann MarNo84 auch bestätigen ;-) )
    S.a. http://www.le-grenier-informat…-durs-mfm.html#IBMWDL330P
    Beweis ist unter anderem, dass der Stromanschluss bei "echten" PATA IDE Platten extra zu finden ist, bei der WDL-330P eben nicht (weil der Stromanschluss bei den DBA ESDI Platten im 40pol Connector zu finden ist).

    "Wäre das Pferd eine Katze gewesen, dann wäre es den Baum hochgeritten" --- Und schaut auch mal bei meinem Blog vorbei ...

  • Das wird schon.
    Das Festplatten-Interface scheint doch nicht so ganz direkt "echtes" IDE zu sein. Das macht die Sache dann noch bißchen komplizierter, da man sie nicht einfach an normales IDE anschließen kann.
    Es ist irgendwie so eine Abart, die es nur noch in ein paar anderen IBM Maschinen zu geben scheint. Info dazu da
    http://www.jlaforums.com/viewtopic.php?t=949198


    Dort stehen dann die möglichen Ersatzgeräte, woran man die Platte auch lesen können müßte - das steigert dann schonmal die Chance, daß man jemanden findet, der noch so ein Gerät hat.



    Ansonsten, wie fritzeflink schon schrieb, den DALLAS Chip kann man auch reparieren, wenn man ihn nicht mehr bekommt. Das sieht dann etwa so aus
    http://www.glitchwrks.com/2017/07/27/ds1387-rebuild
    Daher, aufheben !


    Prinzipiell kann man, habe ich eben gelesen, bestimmte PS/1 Modelle ( alle? ) in einem quasi "default" Mode starten, wenn man beim Anschalten und bis zum Ende der Starttests die beiden Maustasten gedrückt hält. Damit sollte man dann zumindest in einen Modus kommen könne, wo man ein Programm direkt von Diskette starten kann, mit dem sich der Festplatteninhalten per serieller oder paralleler Schnittstelle auf einen anderen Rechner kopieren läßt, und zwar ohne, daß man auf der Platte was anderes als Lesezugriffe macht. Einfach mal im Handbuch gucken, ob das bei dem Modell geht. 30MB per Datenkabel sollte zumutbar sein.


    (edit: da war jemand schneller und präziser; DBA ESDI ... das letztere hatte ich ja schonmal gehört ...)

  • Die Platte in einem anderen Rechner auszulesen scheint aufgrund der ungewöhnlichen Schnittstelle keine realistische Option zu sein.
    Eine Möglichkeit wäre, den Rechner von einer Diskette mit entsprechenden Tools zu booten, und den Platteninhalt zur weiteren Begutachtung auf einen anderen Rechner zu kopieren.


    Es sind also folgende Fragen zu beantworten:
    -Was steht auf dem betroffenen Rechner an Schnittstellen zur Datenübertragung zur Verfügung? (RS-232, Parallel, Netzwerk?)
    -Was für ein Diskettenlaufwerk ist verbaut?
    - Was steht an anderen Rechnern - mit welchen Schnittstellen - zur Verfügung?


    Mit den Antworten auf diese Fragen sollte eine geeignete Lösung für den Datentransfer zu finden sein.

  • Ich muss Euch enttäuschen, die WDL-330P ist keine IDE Platte, auch wenn es wegen des Anschlusses erstmal so aussieht.
    Es handelt sich stattdessen um eine DBA (direct bus attachment) ESDI Platte, so wie sie auch in wenigen, anderen PS/2 Modellen zu finden ist (z.B. in meinem PS/2 P70 ! Kann MarNo84 auch bestätigen ;-) )
    S.a. http://www.le-grenier-informat…-durs-mfm.html#IBMWDL330P
    Beweis ist unter anderem, dass der Stromanschluss bei "echten" PATA IDE Platten extra zu finden ist, bei der WDL-330P eben nicht (weil der Stromanschluss bei den DBA ESDI Platten im 40pol Connector zu finden ist).


    Joa stimmt..da war doch mal was mit den ESDi Platten.. übrigens rennt die Platte immer noch xD


    Ob diese in nem P70 auslesbar wäre? Mein Floppy tut ja einwandfrei - wie schon andere schrieben, mit seriellen Kabel und den typischen Tools lässt sich das sicher irgendwie retten :thumbup:


    klause kennst du noch jemanden mit PS/1 oder PS/2 Geräten?


    Grüße,
    Marcus

  • Die Platte in einem anderen Rechner auszulesen scheint aufgrund der ungewöhnlichen Schnittstelle keine realistische Option zu sein.

    Ungewöhnlich is die nicht - war nur kurzlebig.
    Einen PS/1 mit entsprechender Schnittstelle hab ich im Besitz, falls ihr sonst zu keiner Lösung kommt.

  • Dann versuche ich das mal so zu erklären, daß es auch für Leute ohne Erfahrung auf diesem Gebiet klar wird - Es geht hier übrigens um Datenrettung.
    Sowas macht man ganz gerne, indem man den verunfallten Datenträger (Festplatte) an einen anderen Rechner anschließt, der vorzugsweise über eine weitere Festplatte mit ausreichend freiem Platz verfügt, um ein vollständiges Abbild (Image) des verunfallten Datenträgers aufzunehmen. Bei der Erstellung das Abbilds greift man auf den Datenträger nur lesend zu, wodurch weitere Beschädigungen der Daten und des Dateisystems vermieden werden. Sämtliche weiteren Schritte zur Datenrekonstruktion werden dann am Abbild durchgeführt. Dadurch bleibt der Datenträger unverändert, wodurch die Möglichkeit erhalten bleibt, bei Mißerfolg einen weiteren Rettungsversuch zu unternehmen.
    Da die Festplatte, um die es hier geht, eine Schnittstelle hat, die so selten ist, daß die meisten Leute noch nichtmal davon gehört haben, ist es keine realistische Option, anznehmen, daß für die Datenrettung ein System zur Verfügung steht, das neben dieser Schnittstelle auch noch eine weitere Festplatte mit ausreichend Platz zur Aufnahme des Abbilds zur Verfügung stellt, und mit einem Betriebsystem betrieben werden kann, auf dem entsprechende Datenrettungsprogramme ausgeführt werden können.

  • Was für ein Modell des PS/1 ist es denn? Hat er evtl. ISA-Steckplätze? Dann könnte man doch leicht einen ISA-IDE-Controller
    einstecken und dann wäre Plattenplatz keine Thema mehr. Die ersten hatten auch ein DOS im ROM, kann man das irgendwie
    verwenden? Mit Interlink gäb's dann gleich eine Möglichkeit der Datenübertragung.

  • Hallo zusammen,
    vielen Dank für Eure zahlreichen Antworten und sorry für meine späte Reaktion.
    Also, wir haben noch einen kompletten zweiten PS/1 incl. Bildschirm. Wie man hier eine zweite Festplatte reinbekommt, um 2 parallel zu betrieben, weiss ich leider nicht.
    Ansonsten stünde noch ein normaler Windows-PC zur Verfügung.
    Tja, mehr habe ich nicht zur Verfügung. Und ich habe vor allem leider nicht das Wissen, um solch eine OP durchzuführen.
    Zu Euren Fragen

    Es sind also folgende Fragen zu beantworten:
    -Was steht auf dem betroffenen Rechner an Schnittstellen zur Datenübertragung zur Verfügung? (RS-232, Parallel, Netzwerk?)
    -Was für ein Diskettenlaufwerk ist verbaut?
    - Was steht an anderen Rechnern - mit welchen Schnittstellen - zur Verfügung?

    Schnittstellen weiss ich nicht, es ist ein 3,5 Zoll Laufwerk verbaut (funktioniert aber mit der im Moment installierten Platte nicht. Ich vermute das irgendwelche Dateien / Daten verloren gegangen sind die eine korrekte Ansteuerung braucht). Andere Rechner siehe oben

    Zitat von »Toast_r«




    Die Platte in einem anderen Rechner auszulesen scheint aufgrund der ungewöhnlichen Schnittstelle keine realistische Option zu sein.
    Ungewöhnlich is die nicht - war nur kurzlebig.
    Einen PS/1 mit entsprechender Schnittstelle hab ich im Besitz, falls ihr sonst zu keiner Lösung kommt.

    Oh, das wäre interessant! Vorsicht, vielleicht melde ich mich einmal bei Dir :)

    Was für ein Modell des PS/1 ist es denn? Hat er evtl. ISA-Steckplätze? Dann könnte man doch leicht einen ISA-IDE-Controller
    einstecken und dann wäre Plattenplatz keine Thema mehr. Die ersten hatten auch ein DOS im ROM, kann man das irgendwie
    verwenden? Mit Interlink gäb's dann gleich eine Möglichkeit der Datenübertragung.

    Wo genau finde ich die exakte Modellbezeichnung?


    Viele Grüsse Felix

  • Hallo,


    bevor noch jemand an der Platte fummelt und sich versucht möchte ich einen Gedanken in den Raum schmeißen, die Platte zeigt nach den Tausch des Uhrenbausteins Probleme mit dem Festplatten und Floppyinterface.
    Haben wir denn niemanden im Forum der erst einmal versucht die BIOS Einstellungen wieder gerade zu biegen? Ich habe leider seit fast 30 Jahren nicht mehr mit diesen Rechnern gearbeitet, entsinne mich aber, dass wir in einem solchen Fall die Einstellungen komplett gelöscht haben und dann über eine Diskette die Einstellungen wieder hergestellt haben.
    Löschen deswegen, da die Floppy ja zur Zeit wohl nicht angesteuert wird.


    Hat der Besitzer evtl. noch die Originaldisketten?


    Gruss,
    Peter

  • Grade die 720k Laufwerke die gerne im PS/1 verbaut sind, sind leider ziemlich zickig - das liegt zum einen an der Steprate die manuell über ein Poti eingestellt wird und SMD-Elkos die dieser Tage leider typisch auslauffreudig sind.
    Dennoch halte ich deine Vermutung für nicht abwegig. War bei dem PS/1 bei dem ich vor ner Weile ein Backup gezogen hab nämlich nicht anders (der Rechner erkennt zwar, idR über die default Werte die Laufwerke richtig, versagt dann aber beim Zugriff).

  • Es ist eine spezielle Referenz/Diagnose/Setup-Diskette, suche mal auf http://ps-2.kev009.com/ (dort ist auch ein Mirror des alten PCBBS mit z.B. den Manuals vorhanden). Da Du hier nicht angegeben hast, welche spezielle Modellnummer (bspw. PS/1 2011 oder 2121) Dein Rechner hat, kann ich Dir auch nicht genau sagen, welche Datei Du suchen musst.


    Edit: Stand doch schon weiter oben -> https://ps1stuff.wordpress.com/download/

    "Wäre das Pferd eine Katze gewesen, dann wäre es den Baum hochgeritten" --- Und schaut auch mal bei meinem Blog vorbei ...