Olivetti ETV

  • ETV steht für "Electronic Typewriter (with) Video". Es handelt aber sich bei den ETVs mit nichten einfach nur um Schreibmaschinen. Das ist eine ganze Serie von Geräten, die ab etwa 1983 bis etwa 1992 für den professionellen Büroeinsatz konzipiert wurde, besonders gerne wurden die z.B. in den Großbanken eingesetzt, bevor der Siegeszug des PCs auch die letzten Winkel eroberten. Die ersten Modelle der ETV-Serie liefen noch unter dem Betriebssystem CP/M, die letzten Maschinen unter MS-DOS 3.20, die letzte Maschine sogar unter Windows 3.0. Die meisten Bildschirmschreibmaschinen aus dieser Serie hatten einen integrierten Typenraddrucker, der bis zu 30 Zeichen pro Sekunde schaffte (ETV 260), was für diese Technik ziemlich flott ist. DIe zuletzt gebaute ETV 4000s und die etwas seltsame ETV 210s hatten interessante Thermotransfer-Druckewerke nach Patenten von IBM (IBM Quietwriter). Neben den integrierten Modellen gab es auch ETV-Systeme zum Nachrüsten von existierenden Olivetti Büroschreibmaschinen der ET-Serie, diese wurden per serieller Schnittstelle angeschlossen und dienten als Tastatur und Drucker für das ETV-System (ETV 300, 350, 500, 2900). Die Nachrüstlösungen sind sehr schwer aufzutreiben, mir ist bisher nur einmal eine ETV 300 begegnet, die aber irgendwo hinter Berlin innerhalb der nächsten 7 Tage hätte abgeholt werden müsste, was ich dann sein ließ. Außerdem braucht man eine passende ET-Schreibmaschine des selben Alters und mit optionaler ETV-Schnittstelle, alles zusammen ziemlich unwahrscheinlich zu bekommen. Von den integrierten Modellen umfasst meine Sammlung inzwischen bis auf die ETV 4000s alle Modelle: ETV 210s (wird derzeit restauriert), ETV 240 (nur ein defekter Torso, gabs zur folgenden dazu), ETV 250, ETV 260, ETV 2700/DD und ETV 2700/HD. Außerdem eine CWP-1 (Compact Word Processor, CP/M im ROM, 9-Nadel-Drucker, für Privatanwender gedacht). Die 260 und die 2700/HD haben jeweils eine 20 MB Festplatte.


    Anbei ein paar Bilder.
    - ETV 210s (CP/M im ROM, 4zeiliges LCD, Thermotransferdrucker, , 720 kB DIskette))
    - ETV 260 (MS-DOS8088-8 MHz, 640 kB RAM, 20 MB Festplatte, CGA-Grafik)
    - CWP-1 (CP/M im ROM, 9-Nadeldrucker mit Carbonfarbband, 720 kB DIskette)
    - ETV 2700 (Nec V40 10 Mhz, 768 kB RAM, 20 MB IDE-Festplatte, MS-DOS) (Daneben: TA-Walkstation 386, benötige ich zum Datentransfer von Windows auf die ETV-Systeme, kann auch CP/M-Disketten beschreiben)
    - ETV 250 (Z80, bootet CP/M, 64 kB RAM, 2x 320 kB Diskette)

  • Ich muss den Thread mal wieder etwas aktualisieren, denn es gibt einige Neuzugänge in meiner Sammlung von Bildschirmschreibmaschinen aus dem Hause Olivetti. Die ETV 210s funktioniert schon länger wieder, damals habe ich alle an der Spannungsversorgung beteiligten Halbleiter getauscht, ohne dass sich was änderte. Fehlerbild war, dass wenn man sie einschaltete, dass die LEDs angingen, das Display Streifen zeigte, und dann zirpte es, und der Spaß ging von vorne los. Letztendlich stellte sich raus, dass zwei Potis in der Rückkopplung im Spannungsregler sehr hochohmig waren und keine Rückkopplung der Ausgangsspannung lieferten und deswegen das Netzteil beide Spannungen voll auf über 55V aufdrehte, obwohl da nur 5 und 12V sein sollten, Daas Zirpen war jeweils wenn die Crowbar genau das verhinderte... Potis gewechselt, Spannung eingestellt, alles gut.


    Anbei Bilder der Reparatur.

  • Gestriger Neuzugang: Eine Triumph Adler OPS 400. Triumph Adler? Olivetti? Olivetti! TA gehörte damals den Italienern und so wurden manche Olivetti-Produkte auch als TA-Geräte vermarktet. Bei der OPS 400 handelt es sich um eine geringfügig veränderte ETV 4000s. Bei meinem Exemplar äußert sich das so, dass der TA-Maschine ein ETV 4000s Bedienungshandbuch beiliegt, das nebenbei die komplette Bedienung von Windows 3.0 erklärt.


    Die Änderungen sind: Anderer VGA-Monochrom-Monitor, von Philips zugekauft, Das Original sieht so ähnlich aus wie das der ETV 2700. Das Gehäuseoberteil ist etwas gelblich/beiger als das typische Grau der jüngeren Olivetti ETV Systeme, könnte aber auch Gilb sein, vielleicht auch nicht, denn die Farbe ist recht gleichmäßigkeit bis in alle Ecken. Manche Bedienelemente der Mechanik in Blau. Im Vergleich zur Vorgängerin, der ETV 2700 ist die ETV 4000s / OPS 400 technisch wieder aufwändiger, sie ist schonmal schwerer, sie hat wieder (statt des Stepmotors) einen Gleichstrom mit Encoder für die Druckkopfbewegung, was zuletzt bei der ETV 260 (Vorgänger der 2700) der Fall war. Wie auch die ETV 2700 hat die 4000s wieder einen optischen Papiersensor im Druckkopf, das heißt, egal wie man das Papier einspamnnt, der Druckkopf sucht und findet den rechten und linken Papierrand selbst und richtet dann den Ausdruck wie in der Textverarbeitung durch die Ränder vorgegeben passend aufs Papier aus.


    Bei der ETV 4000s gibts gegenüber den Vorgängern (ETV 2700, ETV 260, ETV 250, ETV 240) einen riesen Unterschied in der Drucktechnik. Dort kamen zwei verschiedene Generationen von Typenraddruckwerken zum Einsatz, die 4000s druckt wie die ETV 210s mit einem von IBM lizenzierten Thermotransferdruckopf, der auch (mit anderer Schreibtemperatur) die Farbe wieder vom Papier abheben kann (Fehlerkorrektur auf dem Papier). Allerdings sieht die Farbbandkasette der ETV 210s und 4000s anders aus. Der Ausdruck ist fast geräuschlos, nur das allgemeine Säuseln des Lüfters ist zu hören.


    Die ETV 4000s (und OPS 400) läuft wie die 260/2700 unter MS-DOS 3.20, aber die Textverarbeitung und ein einfaches DTP-Programm laufen unter Windows 3.0. Dazu ist die Maschine mit einem Intel 80286 mit 8 Mhz (sogar umschaltbar auf 4,77, wie ich aus der Befehlszteilenhilfe eines Tools auf der Platte entnehmen konnte), 2 MB RAM und einer 20 MB großen Festplatte ausgestattet.


    Eine Olivetti gelabelte Logitech Busmaus ist dabei, offensichtlich (laut einem Prospekt über die ETV 4000s) fehlt meinem Exemplar aber der Handscanner, die Mini-Din-Schnittstelle ist auf der Rückseite der Maschine vorhanden. Die Scaner-Software ist auch installiert, sie heißt "ImagePlus", darin ist ein Mitsumi Handscanner-Treiber auf Port 280h mit INT 10 installiert, wer weiß dazu was, welcher Scanner könnte dazu passen? Ich brauchen so einen...


    Die Textverarbeitung ist von Olivetti und hat etwa den Funktionsumfang der ETV 2700 plus Integration von Bitmapgrafik, denn der Drucker ist ja grafikfähig. Die DTP-Software ist auch von Olivetti, habe aber noch nicht geschaut, was die alles kann. Außerdem ist ein Programm dabei, in dem man Formulare erstellen und ausfüllen und dann drucken kann, sicher ganz nett. Was leider auf der TA-Installation fehlt, ist das Konverter-Tool für die Formate der älteren ETV-Systeme, mal sehen, ob ich das irgendwie auftreiben kann. Außerdem gibts ein Tool um vier verschiedene Grafikformate (PCX, BMP, GIF und TIF) umzuwandeln. Dafür fehlt aber das sonst bei Windows 3.0 vorhandene Write und die ganze Spiele-Programmgruppe. Leider fehlt auch die Tabellenkalkulation, die im Handbuch der ETV 4000s beschrieben ist.


    Die ETV 4000s hat auch wieder einen direkten Schreibmaschinen-Modus, man drückt auf die Taste "SM" oder auf das Schreibmaschinensymbol im Programm-Manager, es öffnet sich ein Fenster mit Zeilenlineal und Anzeige aller möglichen Schriftattribute, und wenn man was tippt, arbeitet sofort der Druckkopf, hier wird dann auch die Korrekturfunktion des Druckkopfes benötigt.


    Da die 4000s im Gegensatz zur 2700 wieder eine serielle und parallele Schnittstelle hat, werde ich die Maschine die Tage per Norton Commander mal komplett per seriellem Kabel wegsichern können, ohne Disketten zu verwenden. Maql schauen, vielleicht hat ja jemand ein MS-Word/Excel für Win 3.0 für mich, würde noch gut auf die Platte passen...


    Anbei ein paar Bilder der OPS 4000, auf . Die Ähnlichkeit des Gehäuses zur ETV 2700 ist sofort erkennbar.

  • Bei einer CWP-1 schriebst Du "CP/M im Rom"
    Ist das als OS nutzbar oder kommt man da nicht an einen Prompt?
    Ich habe bei mir in der Gegend ein Angebot fuer eine CWP-1 gesehen, allerdings ohne Monitor.
    Weisst Du, was da fuer ein Signal raus kommt und kennt Du die Belegung der Monitorbuchse?

  • Bei der CWP-1 kommt man nicht an eine Shell dran, man kann das Textprogramm nicht verlassen. Was für ein Signal anliegt, weiß ich nicht, es ist eine 5-polige DIN-Buchse, auf der auch die Versorgungsspannung (wahrscheinlich 12V) mit drauf liegt. Bleiben noch drei Signale über. Da auch wenigstens eine Graustufe dargestellt werden kann, bleiben nicht viele Signalarten übrig. Ich habe aber über die cwp-1 keine Unterlagen und produktiv nutzen macht bei dem Ding auch kaum Sinn, da es dafür keine Farbbänder mehr gibt.

  • Eine ist ja gerettet. Designmäßig allerdings sehr hübsch, finde zumindestens ich. Demnächst zeige ich hier im Thread mal den Nachfolger... Da kommt man auch auf die Shell.

  • Genau, die Editor 100. Davon habe ich auch eine, "New Old Stock" war die, und die Disketten funktionierten nicht mehr. Mehr dazu demnächst. Erstmal muss ich die OPS 400 backuppen, dann hab ich Platz die Editor mal aufzubauen.

  • Zwei Neuzugänge...


    Beides schwierig zu bekommen. Denn es handelt sich um die Olivetti ETV 300 und die ETV 2900.


    Die ETV 300 wurd 1982/83 vorgestellt und läuft unter CP/M und benötigt eine Schreibmaschine aus der Olivetti ET Serie mit eingebautem "ETV Kit". Dieses Kit besteht aus einer seriellen Schnittstelle (Line Communication Unit, LCU) mit ETV-Firmware und Zusatztasten, die entweder dazu gesteckt werden, so geschehen bei neueren ET-Modellen der ET 11x und 22x Serie, oder andere Tasten ersetzen, so wurde das bei der älteren ET 121 gemacht. Die Schreibmaschine dient als Tastatur und Drucker für den Rechner. Manchmal steht ja so eine ETV 300 irgendwo in den Kleinanzeigen, eBay usw. Aber ohne entsprechende Schreibmaschine, und oft auch ohne Monitor, und dann weils "selten" ist, zu Horrorpreisen. Vor einigen Wochen habe ich eine ETV 300 Zentraleinheit ohne Monitor und ohne Schreibmaschine für kleines Geld schießen können, für den Fall dass ich mal mehr bekomme, dann hätte ich ein paar Ersatzteile. Letzte Woche konnte ich mir dann eine ET 121 mit ETV 300 sichern. Die ETV 300 bootet und schreit nach der Schreibmaschine, die macht aber keinen Mucks, Netzteil defekt. Das ist reparabel.

  • Das Konzept Büroschreibmaschine mit angeschlossenem Textverarbeitungssystem funktionierte auch knapp 8 Jahre später noch. Denn ein Schreibmaschinenarbeitsplatz wurde tariflich immer noch niedriger entlohnt als ein PC-Arbeitsplatz. Also bot Olivetti 1990 zusammen mit der voll integrierten ETV 2700 (siehe oben) auch die ETV 2900 an. Genau wie die ETV 300 (und die 350 und 500) benötigt diese eine Schreibmaschine, in diesem Fall eine aus der ET 22xx Serie, natürlcih auch wieder mit ETV-Kit. Genau solch eine Kombination, ETV 2900 und ET 2200 konnte ich nun dank dieses Vereins hier in meinen Bestand überführen. Wer sich das Gerät ansieht, und die Olivetti-PCs um die Zeit kennt, entdeckt sofort, dass die ET 2900 das "Oberteil" des PCs M200 ist. Die M200 hat unter dieser Baugruppe noch einen größeren Kasten mit ISA-Slots drin. Dabei entdeckt man auch, dass die ET 2200 Schreibmaschine über den Tastaturanschluss der ETV 2900 (M200) angebunnden ist, es gehen hier nicht nur Tastenanschläge herüber, sondern auch in der anderen Richtung die Druckausgabe. Die ETV 2900 hat serienmäßig magere 256 kB RAM, NEC V40 CPU, zwei Diskettenlaufwerke (oder auch nur eins) und bootet MS-DOS 3.20 von Diskette, die Wordprozessing-Software ist weitgehend identisch zur ETV 2700. Der Einbau einer Festplatte war, soweit ich mich erinnere, bei der 2900 nicht vorgesehen. Somit ist sie unterhalb der 2700 anzusiedeln.


    Dieses Gerät ist funktionsfähig. Es ist im Paket auch noch eine zweite, defekte 2900 dabei.


    Auf dem ersten Foto ist ein eine kleine Reproduktion eines Portrait vom Vorbesitzer dieser Maschine zu sehen, einem gewissen Wilfried de Beauclair zu sehen. Der war in der Geschichte der Informatik nicht ganz irrelevant, das Porträt wurde im Original 1995 von Konrad Zuse gemalt, de Beauclair muss wohl an der Z3 mitgearbeitet haben und hat später das Postidentent-Verfahren erfunden. Auf der Rückseite der Karte ist eine kleine Widmung für mich drauf , auch mit der Bitte die Texte auf den Disketten auf ein heute lesbares Format zu konvertieren.

  • Olivetti Editor 100 war von einem einzelnen Forenkollegen gewünscht, hier kommt sie.


    Das ist quasi der Nachfolger der CWP-1. Wenn man sie sich ansieht, sieht man das am Design, wobei da auch eine gehörige Portion Olivetti Prodest PC-1 mit drin steckt, z.B. bei der Laufwerksanordnung.


    Der Prozessor ist genau der gleiche wie bei diesem, und auch identisch zur ETV 2700, ETV 2900 (und baugleiche WS 2000) und dem dazu wiederum sehr nahen Verwandten Olivett M200, nämlich eine NEC V40, Es sind per Default 768 kB RAM verbaut, wovon das ausgelieferte MS-DOS 3.20 nur 640 kB nutzen kann. Bei meiner E100 sind 2x 720 kB Floppylaufwerke verbaut, alternativ gab es das Gerät auch mit einer Floppy und Festplatte, vermutlich eine 20 MB XT-Bus-Platte, wie in den anderen XTs , die Olivetti um 1990 auf Basis des V40 verkaufte (ETV 2700, M200, Prodest PC-1, Quaderno). Genau wie die anderen genannten Rechner hat die Editor 100 auch wieder CGA-Grafik, sollte also spieletauglich sein.


    Die Editor 100 ist wieder so eine Art "All-In-On" Gerät, vereint sie den PC und den Drucker und die Tastatur in einem schreibmaschinenartigem Gehäuse. Erstaunlicherweise sind - gut hinter Blechkäfig und Gehäuse versteckt - zwei ISA-Slots an der Rückseite des Geräts vorhanden. Bei einer Bildschirmschreibmaschine für den semiprofessionellen Einsatz eher ungewöhnlich, was will man da im Normalfall schon nachrüsten? Aber gut für uns Bastler, da würde ein XT-IDE-Controller reinpassen. Und Schnittstellen, denn diese hat die E100 nicht.


    Die Tastatur ist vom Schreibgefühl die schlechteste von allen neueren Bildschirmschreibmaschinen von Olivetti, selbst die CWP-1 ist da besser, die Tastatur der Editor 100 biegt sich beim Schreiben durch, sie lässt sich auch in der Neigung nicht verändern, wie es z.B. bei der ETV 2700 der Fall ist.


    Der integrierte Drucker ist etwas besonderes, kein Typenrad wie bei den meisten ETV-Serie-Maschinen, kein Nadeldrucker wie bei der CWP-1 sondern ein Thermo-Transfer-Drucker nach dem IBM-Patent, ähnlch wie in der ETV 210s und der ETV 4000S, aber mit wesentlich kompakterem Druckkopf und Farbband. Bisher habe ich noch keine Ersatzfarbbänder dafür gefunden, zum Glück ist hier aber ein "Multi-Strike-Farbband", erkennbar an dem blauen Rädchen, eingelgt, welches mehrere Umläufe durchhält.


    Der hervorragende Monochrom-Monitor (eigentlich sogar Graustufen) kann in seiner Bildqualität locker mit dem ATARI SM-124 mithalten, es ist übrigens der gleiche CRT-2700, der auch bei der ETV 2700 mitgelifert wurde. Angeschlosseen wird er an der Editor 100 (genau wie an der ETV 2700) mit zwei Kabeln mit unterschiedlichen Steckern, Spannungsversorgung und Composite-Video, dafür wirklich ein erstaunlich scharfes Bild!. Diese hervorragende Bildqualität ist mir bei meinen beiden ETV 2700 und der ETV 2900 (dort sollte die selbe Bildröhre und Elektronik verbaut sein) noch nicht aufgefallen, vermutlich weil diese Geräte und Monitore schon länger von den Vorbesitzern benutzt wurden. Diese Editor 100 war original verpackt, New Old Stock.


    Das heißt, dieses Gerät verbrachte die ersten 27 Jahre seines Daseins in seinem Karton verpackt. Währenddessen verloren die Disketten teils ihre einwandfreie Lesbarkeit und der Monitor zeigte das Bild nicht mehr einwandfrei an, die vertikale Bildstabilität war hin und das Bild war zwei Mal übereinander flimmernd zu sehen. Das konnte ich schnell neu einjustieren. Schwieriger war das mit den Disketten. Ich konnte sie aber retten, zunächst machte ich Kopien mit FCOPY Pro III auf meinem Atari STacy-Laptop und notierte mir die Spuren, die auch das Programm nicht nach 5 Versuchen lesen konnte. Diese Spuren ließ ich dann den Amiga mit X-Copy im Nibble-Mode nochmal kopieren, und schon waren erstmal alle Dateien auch mit der STacy problemlos lesbar. Letztendlich war auch die Editor 100 mit den kopierten Disketten glücklich. Zur Sicherheit habe ich von den Disks erstmal Images angelegt. Schön wäre jetzt noch, wenn ich die Images wieder fehlerfrei auf die Originaldisketten schreiben könnte, klappt aber nicht bei allen Spuren, da muss ich bei Gelegenheit mal die Diskscheiben in den Hüllen tauschen.


    Die eine Diskette enthält eine selbstlaufende Demo, ideal für Aussstellungen oder im Händler-Schaufenster, da sie die wesentlichen Funktionen der Maschine zeigen. Auf den Programmdisketten ist MS-DOS 3.20 ohne den DOS-Ordner mit extra DOS-Befehlen, diverse TSR-Programme und die eigentliche Wordprozessor-Software. DIe TSR stellen jederzeit aufrufbare Funktionen bereit, wie den Schreibmaschinen-Modus, wo die Maschine direkt das auf Papier schreibt was man tippt, und weitere Nützliche Funktionen wie einen Taschenrechner zur Verfügung. Die poppen direkt auf, wenn man die entsprechend beschrifteten Funktionstasten auf der Tastatur drückt. Und mit Exit kommt man wieder raus. Das klappt sowohl aus der Textverarbeitung als auch unter DOS.


    Die Textverarbeitung ist der auf der CWP-1 sehr ähnlich, die meisten Funktionen werden auch hier über die markanten blauen F-Tasten gesteuert, z.B. Schriftattribute, Textblock-Funktionen usw. Genau wie die CWP-1 kann die Editor 100 die Schriftgröße stark vergrößern, in der Breite und Höhe, was aber sehr "pixelig" aussieht, sowoh auf dem Monitor als auch auf Papier, das sind keine Vektorschriften. Im Gegensatz zur CWP-1 kann die Editor 100 aber (Monochrom-)Grafiken in die Dokumente einbauen. Aber so tief habe ich mit der Software noch nicht beschäftigt, ich weiß also nicht welches Dateiformat da geht, viel wird man aber nicht erwarten können, denn ein Dokument kann nur 64 kB groß werden. Womit ich mich auch noch nicht beschäftigt habe, ist das Thema Kompatiblität und Datenaustausch mit den ETVs und der CWP-1. Die Textverarbeitung hat im Hauptmenü auch eine Funktion "Exit to DOS", die auch funktioniert.


    Ausgeliefert wurde die Editor 100 mit 4 Disketten, zwei Programmdisketten, eine Demo-Diskette und eine Datendiskette.


    Original Verpackt!


    Spezifikationen


    Der gleiche Monitor wie bei der ETV 2700


    So sieht das Ding aus, wie eine Mischung aus Prodest PC-1 und CWP-1. Ich finde die CWP-1 hübscher proportioniert.


    Das All-in-one-Gerät von vorne, sieht aus wie noch nie benutzt...


    Und nochmal von oben



    Die Ausbrüche für die ISA-Slots, auch die ABdeckung hinten ist erkennbar, die man abnehmen muss, um eine ISA-Karte einbauen zu wollen. Um das zu machen sind aber noch ein paar Schrauben und eine Blechabdeckung zu lösen.


    Der Druckkopf mit dem Multi-Strike Thermo-Transfer-Fabrbband.


    So fordert die Editor 100 eine Bootdiskette an


    Die selbstlaufende Demo-Diskette

  • Großartige Neuigkeit live von der Retrolution, meine ETV 300 mit ET 121 läuft wieder. Es war nur ein "kleiner" Netzeilfehler in der Schreibmaschine, sprich nur ein Stecker war abgerutscht. Ich hätte die Schreibmaschine viel früher mal aufmachen sollen. Außerdem habe ich von der zweiten ETV 300 das zweite Diskettenlaufwerk in die funktionierende ETV 300 umgebaut, die hatte nämlich bisher nur eins. Damit steht fest, dieses System wird auf der Classic Computing zu sehen sein. Ich muss bis dahin nur schaffen, einen meiner PC dazu zu bringen, vernünftig 5,25 DD Disketten zu beschreiben, irgendwie scheinen entweder alle Laufwerke ne Macke zu haben, oder die getesteten Disketten sind alle Schrott. Dann kann ich CP/M-Software (z.B. das Textadventure ZORK oder MBASIC) auf die ETV 300 übertragen.



    Rechts: Olivetti ET 121 Typenrad-Büroschreibmaschine mit ETV 300 Schnittstelle

    Links: Olivetti ETV 300 Textverarbeitungssystem, Z80 CPU, 64 kB RAM, 2 ALPS Laufwerke 160 KB (bekannt aus Funk und Fernsehen, sprich CBM VC-1541), CP/M 2.2 Betriebssystem, Olivetti MWP Textverarbeitungs-Software

    Beides seriell miteinander verbunden, die ET ist Tastatur und Drucker für die ETV.

    Baujahr 1982


    Schöner Gruß Live von der Retrolution!

  • Alle Büroschreibmaschinen der ET Serie von etwa 1979 bis 1985 sahen fast exakt so gleich aus: ET 121, ET 201, ET 221, ET 225, ET 231, ET 351. Die letzten 3 aus dieser Druckwerkgeneration in der Liste waren mit Display, die letzte mit zwei seutlichen Diskettenlaufwerken. Die habe ich alle, nur funktionieren noch nicht alle. DIe nachfolgende Generation 1985 bis 1988, also die ET 109, ET 110, ET 111, ET 112, ET 115 und ET 116 mit dem neueren Druckwerk sind flacher, ansonsten ähnlich. Und die letzte Generation, die ET 2000 Serie, wo auch die 2250 mit der VM 2000 dazu gehört, sieht ganz anders aus.

  • Ach hau wech.. DAS war genau mein Setup - erster "PC" um 1997? hatte ich damals 2x geschenkt bekommen fürs Rasenmähen xD

    Gibts das Bild auch in Klarer? Und es ist also eine ETV300 Anlage? Da war ich mir irgendwie nie sicher :D


    Grüße,

    Marcus

  • Und du hast die beiden ETV 300 weggeschmissen? Dafür könnte ich dich treten!

    nee nicht weggeschmissen...verschenkt xD ..aber damals hatte ich noch nicht dran gedacht, dass ich heut gern meinen ersten Rechner wieder hätt xD

  • Was hattest du eigentlich für Software auf der ETV 300 laufen? Ich frage, weil ich alles mögliche an CP/M Software habe, aber wohl wegen der unbekannten Terminalemulation nicht alles laufen wird... Vielleicht kann ich so ein paar Sachen schonmal positiv vorsortieren., die ich dann mit 22disk rüberschaffe.

  • 1ST1 ich habe noch einen Satz Platinen für die ETV300 liegen, darüber hatten wir mal Kontakt. Kannst Du den brauchen?


    Gruß


    Robert

    NCR DMV/Olivetti M20/ITT 3030/DEC Rainbow 100/Siemens PC-D/OlyPeople/MFA 8085/TA Alphatronic

  • Ja, gerne. Vielleicht bekomme ich damit die zweite ETV 300 zum Laufen. (Für die habe ich zwar weder Monitor, noch Schreibmaschine, aber egal.)


    Hast du die Emulation davon in Mame eigentlich hinbekommen? Ich vermute mal, es wurde schwierig, denn du hattest mich - soweit ich mich erinnere - weder um Diskimages gebeten, und ich kenne keine Seite im Internet, die welche hat, und du weißt nicht, was die dir fehlende Schreibmaschine macht, um auch sie zu emulieren. Denn sobald die ETV von der Disk bootet, checkt sie, ob die Schreibmaschine da ist, und wenn sie nicht da ist, startet das Textprogramm nicht. Und sobald man die Schreibmaschine wieder ausschaltet oder offline nimmt, macht die ETV auch nix mehr weiter, als auf die ET zu warten.

  • Ich melde mich nach dem Urlaub und schick sie dir zu. Die von Dir angesprochenen Probleme werden dann interessant wenn sich einer der aktiv programmierenden Entwickler der Sache annimmt- und das war bislang nicht der Fall (übrigens bei etlichen Maschinen, die ich gesammelt habe, die Manpower ist begrenzt).


    Gruß Robert

    NCR DMV/Olivetti M20/ITT 3030/DEC Rainbow 100/Siemens PC-D/OlyPeople/MFA 8085/TA Alphatronic

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  • Noch ein kleines Update. Dank Toast_r und Plattfuss habe ich eine weitere ET 121 bekommen. Eigentlich habe ich ja schon genug ET 121, das Basis-Modell, die Farsi-Maschine und die an der ETV 300, siehe oben.


    Aber diese eBay Kleinanzeige fesselte mich, denn die dort angebotene ET 121 hatte eine seitlich angeflanschte Zusatztastatur mit Cursortasten, Home- und Menu-Taste usw. und eine Schnittstelle. Also mit Erweiterung für ein Textverarbeitungssystem, vielleicht die richtige Maschine für meine zweite ETV 300? Als ich sie dann auf der Retrolution inspizierte, stellte sich aber schnell raus, dass sie nicht an die ETV 300 passt, da der Stecker genau anders rum war. Außerdem ist die Schnittstellenplatine in dieser ET 121 ganz anders als die in der ET 121 die an der ETV 300 hängt. Nur was war das nun schon wieder?




    Heute habe ich es rausgefunden. An dieser ET 121 hing einst ein Textverarbeitungssystem Olivetti ETS 1010. Die hässliche ETS 1010, die von einem US-amerikanischen Unternehmen Namens Syntrex entwickelt und designt wurde. http://www.old-computers.com/museum/computer.asp?c=491&st=1


    Wie ich drauf kam? Ich hätte es eigentlich schon wissen müssen. Vor etwas über einem Jahr entdeckte ich diesen Foreneintrag, der auch schon fast 10 Jahre alt ist, und habe ihn sogar kommentiert: http://www.vcfed.org/forum/sho…cessor-Computer&styleid=3 Man beachte bei diesem "3M Text Editor 900" die Schreibmaschine mit Zusatztastatur und das Textverarbeitungssystem daneben. Dieses System sieht genau gleich (hässlich) aus wie die ETS 1010, die es entweder mit 2 Floppy oder 1x FDD und 1x Platte gab. Dort in dem Link steht zwar was von einer ET 201, aber es ist eine ET 121. Der Kenner erkennt das daran, das diese Schreibmaschine oberhalb der Tastatur keine 7-Segent-Anzeige für den Zähler der Druckkopfposition hat. Den hat die ET 121 nicht, aber die ET 201. Die in dem Beitrag gezeigte Schreibmaschine hat das Display auch nicht. Und man darf sich nicht von dem Gehäuse der 3M Maschine beirren lassen, das wurde für 3M als OEM Abmehmer optisch verändert. Drin steckt aber eine ET 121., und sie hat die exakt gleiche Zusatztastatur.


    Hier kann man eine ET 201 sehen, die auf den ersten Blick der ET 121 wie aus dem Gesicht geschnitten ist. ABer links oberhalb der Tastatur kann man ein kleines glänzedes Rechteck erkennen, das ist das Display: http://www.museotecnologicamente.it/olivetti-et-201-1979/


    Jetzt muss mir nur noch eine ETS 1010 mit Monitor, Verbindungskabel und lesbaren Disketten (oder Festplatte) über den Weg laufen.

  • So, mal noch ein paar Erfahrungswerte zur ETV-300, bezüglich Archivierung und Datenaustausch mit Disketten.


    Heute habe ich versucht, mit meiner Olivetti M24 da weiter zu kommen. Denn die ALPS-Laufwerke (die selbe Mechanik wie in Commodore VC 1541!) in der ETV 300 scheinen recht intollerant bezüglich Disketten zu sein, die mit einem HD-Laufwerk geschrieben wurden. 22disk warnt davor, das also mit einem AT zu machen, deswegen die Versuche mit dem XT mit 360er Laufwerk.


    Aber mit der M24 kann man manchmal wahnsinnig werden, denn das bekannte Tool Imagedisk läuft damit nicht. Das heißt, ich kann ein paar IMD Diskimages, die ich mal von einem Italiener für die ETV 300 bekommen habe, mit der M24 nicht auf Disk schreiben, Imagedisk beschwert sich auf der M24, dass der Floppycontroller keine Interrupts sendet, warum auch immer. Also werde ich morgen dafür doch mal meinen Olivetti M4 Modulo P100i aufbauen, und doch mal schauen, ob die ETV 300 die mit dem HD-Laufwerk geschriebenen Disks lesen kann. Notfalls muss ich vielleicht die auf dem M4 geschriebene Disk mit der M24 nochmal kopieren...


    Auf jeden Fall, aliendisk kann ETV 300 DIsketten (physisch) auf der M24 kopieren, die ETV 300 hat von der Kopie fehlerfrei gebootet. Das ist schonmal ein erstes Erfolgserlebnis. Aliendisk kann Diskinhalte auch auf Festplatte als Image dumpen, aber es hat keine Funktion um so einen Dump wieder auf Diskette zurück zu schreiben. Außerdem kann 22disk mit Disktyp "oli1" Dateien auf der ETV 300 DIskette lesen und schreiben. Das hat mit Disktyp "oli3" auch schon auf der ETV 240/250/350 geklappt, naja, eine 350 hab ich noch nicht, ist aber das selbe Format. Auch Aliendisk kann auf Dateiebene auf ETV 300 Disks zugreifen, mit Disktyp 87 (Disk Typ 245 soll ETV 240/250/350 sein, muss ich auch mal testen).


    Es bleibt spannend...