Victor Vicki Portable - bootet nicht

  • Ich habe zwei Victor Vicki Portable, davon eines funktionsfähig. Das Problem bei dem nicht funktionsfähigen: er bootet nicht von Diskette.


    Daraufhin habe ich die Floppy-I/O-Platine gegengetauscht. Mit der funktionsfähigen Platine laufen beide Rechner einwandfrei. Der Fehler hängt also mit der Platine zusammen. Bei Einschalten mit der fehlerhaften Platine werden die Laufwerke initialisiert, die roten Lämpchen leuchten an beiden Laufwerken kurz auf. Nach dem Einlegen einer funktionsfähigen Diskette erfolgt leuchtet das Lämpchen des Laufwerks wieder kurz auf. Soweit alles wie bei der funktionierenden Platine. Es erfolgt aber nachfolgend kein Zugriff auf die Diskette, zumindest hört man nichts. Es passiert einfach nichts mehr.


    Leider unterscheidet sich die Sirius I/Victor 9000-Desktop-Platine doch sehr, und für das Portable sind keine Schaltpläne aufzutreiben. Allerdings hätte ich mit dem Lesen von Schaltplänen eh so meine Probleme, bin halt nicht vom Fach.


    Ich kann alles löten, habe gutes Equipment und ein gutes Multimeter.


    Was habe ich bisher gemacht:


    - alle 6522 gesockelt und in VC1451 überprüft
    - 3090F gegengetauscht
    - alle Elkos ersetzt
    - 5V an allen 6522 und zur Versorgung der Laufwerke überprüft

  • Bevor das Thema hier völlig in Vergessenheit gerät mache ich mal den Anfang. Ich bin jetzt auch nicht der Fachmann für die Vicki, aber immerhin habe ich eine und habe auch schon ein paar Reparaturen hinter mir.


    Bei den Floppies ist es natürlich sehr schwierig. Erstens kommt hier Analogtechnik ins Spiel - da sind völlig andere Kenntnisse und Erfahrungen gefragt. Und zweitens ist gerade auch das Floppy-Interface der Victors sooo weit weg von allem, was in PC-artigen oder auch CP/M-Rechnern werkelt, dass man auf wenig Erfahrung setzen kann. Ausnahme: CBM-Floppies, die sind von der Kodierung (GCR) und offenbar auch vom Interface (jede Menge 6522) wohl verwandt - kein Wunder, haben beide doch den gleichen Papa Chuck Peddle ...


    Von daher kannst Du evtl. von den CBM-Fachleuten, die es hier deutlich mehr gibt, Unterstützung in Detailfragen bekommen. Aber dafür musst Du erst mal die richtigen Fragen stellen können ?(


    Dazu würde ich folgendermaßen vorgehen:
    Afair versucht doch die Vicki beim Start dauerhaft vom Laufwerk zu lesen, wenn die Diskette nicht eingelegt ist (oder eingelegt, aber die Klappe nicht geschlossen ist - ausprobieren!). In diesem Zustand kann man sich in Ruhe die Interface-Leitungen ansehen und dabei den funktionierenden mit dem defekten Rechner vergleichen.


    Dazu wäre ein Digitaloszilloskop hilfreich, weil es am Interface mit Sicherheit wechselnde Pegel und - trotz der wiederholten Zugriffsversuche - vermutlich keinen Rhythmus gibt, der ein vernünftiges Bild auf einem analogen Gerät liefert.


    Wenn Du hier Unterschiede feststellen kannst, ist das wenigstens schon mal ein Anhaltspunkt, von dem aus man weiter suchen kann.


    Übrigens halte ich die Schaltungsunterlagen und technischen Dokus des Sirius/Victor für durchaus hilfreich - es sind zwar einige Funktionen in ein paar Spezialbauteilen zusammengefasst worden, um Platz zu gewinnen, aber die grundsätzliche Architektur ist völlig vergleichbar. Was ich allerdings nicht weiß, ist ob die Vicki-Laufwerke genauso leer sind wie die vom Sirius. Da müsste man vermutlich noch einige Schrauben lösen, um da den Vergleich hinzubekommen.


    Viel Erfolg! :thumbup:

  • Was ich allerdings nicht weiß, ist ob die Vicki-Laufwerke genauso leer sind wie die vom Sirius. Da müsste man vermutlich noch einige Schrauben lösen, um da den Vergleich hinzubekommen.

    Hatte ich schon zerlegt, da sind schon ein paar Chips drauf, aber weit weniger als bei IBM-kompatiblen Laufwerken. Ich werde jetzt noch einen Versuch mit einem Elektroniker-Spezi machen. Wenn das nichts hilft, bleibt nur mehr, die Platine an jemanden zu senden, der auch ein Vicki Portable und mehr Ahnung von Elektronik hat als ich.

  • Schon die manuell angebrachten Strippen mit Pinzette und leichtem Zug auf saubere Verbindung getestet?
    Einer der Chips scheint mir gesockelt zu sein (und wohl nicht ein hochwertuger Sockel mit gedrehten Stiften) - mal rausnehmen und wieder einsetzen.
    Und was ist das im roten Feld markierte? Ein Artefakt vom Fotografieren oder ist dort vielleicht ein Lotrest reingefallen?


    Es lohnt auch immer wieder, Platnen nach schlechzen Lötstellen abzusuchen - erst am Wochenende war bei mir so eine wieder mal Schuld am Ausfall eines Laptop-Netzteils.

  • Schon die manuell angebrachten Strippen mit Pinzette und leichtem Zug auf saubere Verbindung getestet?
    Einer der Chips scheint mir gesockelt zu sein (und wohl nicht ein hochwertuger Sockel mit gedrehten Stiften) - mal rausnehmen und wieder einsetzen.
    Und was ist das im roten Feld markierte? Ein Artefakt vom Fotografieren oder ist dort vielleicht ein Lotrest reingefallen?


    Es lohnt auch immer wieder, Platnen nach schlechzen Lötstellen abzusuchen - erst am Wochenende war bei mir so eine wieder mal Schuld am Ausfall eines Laptop-Netzteils.

    - die Strippen sind original so und auch auf der anderen Platine identisch vorhanden. Habe ich durchgepiept, sind OK.
    - das - was auch immer - im roten Feld (Wahnsinn, hätte ich nicht gesehen) ist nicht mehr da. Vermutlich in der Zwischenzeit rausgefallen.
    - die Lötstellen werde ich mal unter Vergrößerung absuchen


    Ansonsten bleiben nur noch die Logik-IC's auf der Floppy-Schiene und natürlich das Halbleiter Zeugs.

  • Ansonsten bleiben nur noch die Logik-IC's auf der Floppy-Schiene und natürlich das Halbleiter Zeugs.


    Eigentlich wäre es an der Zeit, statt dem "einfach-alles-Tauschen-Ansatz" mal ein Oszilloskop zu organisieren und damit mal die ganzen Signale zu checken - erst die Clock und die Reset-Signale, dann den Rest - häufig findet sich dann ein Signal, das den falschen oder (zeitweise) seltsame Pegel hat oder Signale, die "still" sind, obwohl sich eigentlich darauf was tun sollte - dann hat man wenigstens mal 'ne Ecke, die man sich genauer anschauen kann. Etwas blöd ist natürlich, das sich zu dem MSB3090F-01 außer (CPU MSB3090F-01 40-Pin DIP Vintage 1983) so gar nichts im Internet finden läßt - da wäre es eigentlich sinnvoll, mal die Leiterbahnen zu verfolgen, um mal ein grobes Pinout dieses Bausteins gewinnnen zu können.

  • Eigentlich wäre es an der Zeit, statt dem "einfach-alles-Tauschen-Ansatz" mal ein Oszilloskop zu organisieren und damit mal die ganzen Signale zu checken - erst die Clock und die Reset-Signale, dann den Rest - häufig findet sich dann ein Signal, das den falschen oder (zeitweise) seltsame Pegel hat oder Signale, die "still" sind, obwohl sich eigentlich darauf was tun sollte - dann hat man wenigstens mal 'ne Ecke, die man sich genauer anschauen kann. Etwas blöd ist natürlich, das sich zu dem MSB3090F-01 außer (CPU MSB3090F-01 40-Pin DIP Vintage 1983) so gar nichts im Internet finden läßt - da wäre es eigentlich sinnvoll, mal die Leiterbahnen zu verfolgen, um mal ein grobes Pinout dieses Bausteins gewinnnen zu können.

    Das ist schwierig, denn wir reden dann von der unten sitzenden Platine. Im Betrieb zu messen geht also nicht. Abgesehen davon ist das Oszilloskop nicht mein Freund, ich kann dessen Anzeigen mangels Fachwissen nicht interpretieren. Folgerichtig ist von mir also kein Layout des MSB3090F zu erwarten. Ich habe den Sockel des MSB3090F durchgepiept, alles OK. Ausserdem ist dieser IC mit einem von einer funktionsfähigen Platine gegengetauscht, ohne Änderung des Zustands. Die CPU ist also OK. Trotzdem habe ich den Sockel und alle anderen IC's, die mit der Laufwerkslogik zu tun haben könnten, nachgelötet. Die Leiterbahnen verfolgen kann ich nur, wenn ich den Sockel des MSB3090F auslöte und am besten auch noch den des drunterliegenden 6522. Das lasse ich aber, denn der Allgemeinzustand der Platine ist wie neu. Da haben keine Elkos oder ein Akku rumgedünstet, so das man angefressene Leiterbahnen befürchten müsste.


    Nachdem - wie im Eingangspost beschrieben - die Vicki mit einer funktionsfähigen Laufwerksplatine einwandfrei funktioniert, kann man m.E. die Fehlersuche auch auf diese Platine beschränken.


    Von meinen bescheidenen Fähigkeiten her bleibt also nur das Auswechseln der Logik-IC's, mit der Hoffnung auf einen Zufallstreffer. Alternativ würde ich das ganze Gerät natürlich auch zu jemanden bringen, der im Großraum München wohnt.

  • Ausserdem ist dieser IC mit einem von einer funktionsfähigen Platine gegengetauscht, ohne Änderung des Zustands.


    Beim Ausprobieren bitte immer nur fragwürdige ICs in intakten Geräten testen, niemals intakte ICs in fragwürdigen Geräten.
    Sonst kann es leicht passieren, daß man sich ein gutes IC in einem defekten Gerät zerstört.

  • Die Leiterbahnen verfolgen kann ich nur, wenn ich den Sockel des MSB3090F auslöte und am besten auch noch den des drunterliegenden 6522.


    Also Sockel oder ICs auszulöten, um Leiterbahnen zu verfolgen, ist sicherlich nicht nötig - man kann für gewöhlich die Verbindungen erraten und dann mit einem Multimeter überprüfen.
    Dass die Karte allerdings im eingebauten 'Zustand so unzugänglich ist, ist natürlich blöd - da stellt sich dann die Frage, ob der MSB3090F ein "doofer" Peripherie-Baustein oder ein vollständiger Microcontroller ist - bei einem Peripherie-Baustein geht natürlich ohne den restlichen Computer nichts - ist es aber ein Microcontroller, könnte man das Board auch außerhalb des Rechners mitSspannung versorgen und etliches mit dem Oszi nachmessen. Gerade deshalb wären weitere Infos zum MSB3090F so interessant - "CPU MSB3090F-01 40-Pin DIP Vintage 1983" deutet eigentlich an, dass es ein Microcontroller sein könnte!

  • Dieses Thema greife ich wieder auf, da meine Vicki auch nicht (mehr) booten möchte.


    Sie hat einen Wasserschaden, lief davor aber auch ohne Reinigung mal eine ganze Weile, d. h. konnte DOS booten und Disketteninhalte anzeigen, hing dann aber nach etlichen Minuten in Betrieb. Dann wollte sie plötzlich keine Disketten mehr lesen, aber alle Geräusche waren beim Booten normal. Bei der RETROthek habe ich sie zerlegt, gereinigt und die Wasserschäden an allen Steckkontakten beseitigt. Sie läuft an, die Laufwerke leuchten nach dem Einschalten kurz zusammen auf, dann einzeln. Leider ist keine Bewegung der Köpfe feststellbar, der Schrittmotor scheint nicht zu laufen oder ihm fehlt die Versorgungsspannung.

    Hat jemand ( Georg  :)) eine funktionierende Vicki und könnte bitte bei Gelegenheit die Versorgungsspannungen auf der Busplatine nachmessen? Das würde mir sehr helfen, dann weiß ich, ob da noch was sein kann. Dann müsste ich wahrscheinlich auch noch das Netzteil zerlegen und auf Wasserschäden untersuchen.

    Anbei ein paar Bilder speziell wegen den recht eigenwilligen Anschlüssen der Diskettenlaufwerke.

    Viele Grüße

    Michael

  • Wie ich schon geschrieben hatte ist die Vicki für mich gerade ziemlich unerreichbar.

    Ich habe mir aber mal die Bilder meiner Vicki angesehen - dabei habe ich gesehen, dass bei mir die Steuerleitungen zu den Floppies über normale Flachbandkabel gehen, nur die Köpfe sind mit den einzelnen, abgeschirmten Kabeln angeschlossen.

    Dagegen scheinen Deine Steuerleitungen aus einzelnen Kabel mit "Lücken" zu bestehen - mit potentiellen Fehlerquellen.


    Sonst ist mir zunächst nichts Ungewöhnliches aufgefallen.


    Du schreibst die ganze Zeit nur von den Laufwerken. Was passiert denn auf dem Bildschirm? Der zeigt beim Booten ja auch schon was an (Wimre Diskettensymbol, blinkender Pfeil, Speichergröße?). Kommt das bei Dir?

  • Die Lücke ist wohl durch ein, vermutlich beim Transport, herausgefallenes Kabel des Laufwerks 1 entstanden, das ich aber wieder eingesteckt habe, wovon ich dann aber leider kein Foto mehr gemacht habe. Beide Laufwerke haben die gleichen 4 Kabel. Da alle auch noch farbgleich sind, bin ich mir nicht mehr zu 100% sicher, dass die von Laufwerk 0 links und die von Laufwerk 1 rechts waren. Hatte zwar zuvor Fotos gemacht, aber nur die Kabel zu den Köpfen mit A und B beschriftet. Könntest Du bitte mal bei Gelegenheit (hat Zeit) bei Deiner Vicki schauen, welches Kabel von welchem Laufwerk kommt? Also ob das rechte Laufwerk rechts und das linke links eingesteckt gehört? Die Köpfe sind auf der Leiterplatte mit Drive 0 und 1 gekennzeichnet, die beiden anderen Stecker aber leider nicht. Da aber beim Einschalten zuerst beide LEDs angehen und dann kurz die LED des linken (Drive 0?) und dann die des rechten Laufwerks, bin ich davon ausgegangen, dass das so passen müsste.


    Die Vicki startet "ganz normal", zeigt 256 KB und einen blinkenden Pfeil mit einem Diskettensymbol an. Als ich sie bekommen habe, startete sie auch ganz normal, bis sie entweder nach einiger Zeit hängenblieb und dann eines Tages keine Disketten mehr lesen wollte bzw. sich dabei bereits aufgehängt hat.


    Nach dem Zerlegen und Reinigen könnte es jetzt sein, dass ein Pin auf der Busplatine keinen richtigen Kontakt mehr hat und daher die Versorgungsspannung fehlt oder das Netzteil verlangt auch nach einer Reinigung...

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